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Homosexualität, Heterosexualität – alles dasselbe?

6. Juni 2011

Wenn es heute um das Verhältnis von heterosexueller und homosexueller Liebe geht, wird das Thema meist von einer rechtlichen Perspektive aus betrachtet. Vor dem Hintergrund, dass (männliche) Homosexualität noch bis vor relativ kurzer Zeit als Straftat galt – und in nicht wenigen Ländern der Welt ja immer noch gilt – und dass gleichgeschlechtliche Lebenspartnerschaften gegenüber der heterosexuellen Ehe noch immer handfeste rechtliche Nachteile haben (Stichwort Ehegattensplitting), ist das auch verständlich.

Im Bezug auf die Freiheit der Liebe hat diese Fokussierung auf die Gleichstellung von Homosexualität mit der privilegierteren Heterosexualität jedoch auch zu einer Verengung dessen geführt, was wir uns als mögliche Varianten des Liebens und Geliebtwerdens vorstellen können. Kurz gesagt: Alles orientiert sich am typischen Ideal des Zusammenfallens von romantischer Liebe, Sexualität und Ehe (inklusive Elternschaft). Das ist nun der Maßstab auch für die Liebe zwischen zwei Frauen oder zwischen zwei Männern.

Auf diese Verengung ist schon von mancher Seite hingewiesen worden, aber das Ganze berührt auch noch einen Punkt, der seltener thematisiert wird: und zwar eine gewisse Konfusion, die sich daraus ergibt, dass dieses Liebesideal, das nun zum Maßstab für alle geworden ist, trotzdem wesentlich heterosexuell definiert ist. Oder anders gesagt: Für das, was „Liebe“ meint, sind Vorstellungen von Geschlechterdifferenzen grundlegend, die zunächst einmal bearbeitet werden müssten, wenn wir für die Zukunft Freiheit und Liebe neu zusammen denken wollen. Dieser Schritt wird durch die Behauptung der Gleichheit aller Beteiligten quasi übersprungen, was zu allerlei symbolischem Durcheinander führt.

Ein handfester Unterschied zwischen heterosexuellen und homosexuellen Beziehungen ist zum Beispiel die Möglichkeit, Kinder zu haben. Bei Paaren, die aus einer Frau und einem Mann bestehen, ist diese Möglichkeit – von Unfruchtbarkeit abgesehen – selbstverständlich gegeben, bei gleichgeschlechtlichen Paaren nicht. Wobei es zusätzlich noch einen Unterschied gibt zwischen schwulen und lesbischen Paaren. Während zwei Frauen die Möglichkeit haben, dass eine von ihnen schwanger wird, etwa durch künstliche Befruchtung oder durch Sex mit einem Mann (in der Frauenbewegung der 1970er Jahre kursierten dazu regelrechte Anleitungen) so haben zwei Männer diese Möglichkeit nicht. Sie sind noch mehr auf Hilfe von außen angewiesen: Konkret, auf eine Frau, die bereit ist, an ihrer Stelle ein Kind auszutragen, zur Welt zu bringen, und dann die Verantwortlichkeit für dieses Kind an sie abzutreten.

Man kann natürlich argumentieren, dass diese biologischen Unterschiede durch entsprechende gesellschaftliche Regelungen ausgeglichen werden können, etwa durch die Erlaubnis von Leihmutterschaften, großzügige Adoptionsgesetze und dergleichen. Aber diese Argumentation läuft ziemlich konträr zu einer anderen gesellschaftlichen Debatte, die auch eine Folge der Gleichstellungspolitik der Geschlechter ist – nämlich der immer populärer werdenden Meinung, Kinder brauchten sowohl Vater als auch Mutter, um „gesund“ aufwachsen zu können, sowie der biologistischen Vorstellung, wonach es zum Lebensglück gehört, die eigene genetische Herkunft zu kennen, und Kinder daher ein Recht darauf hätten, diese zu erfahren.

Würde dieses Thema konsequent zu Ende gedacht, müsste die Entwicklung nicht nur zu einer Vervielfältigung von Familienformen sowie von Vater- und Mutterrollen führen, sondern auch dazu, dass der Zusammenhang von Ehe/Liebespartnerschaft und Elternschaft aufgehoben wird. Denn wenn biologische und soziale Eltern nicht mehr in eins fallen, wenn also Kinder mehrere Väter oder auch Mütter haben, dann kann die klassische „Liebesbeziehung“ nicht mehr das sein, was die Eltern, oder besser: die Erwachsenen, die Verantwortung für das Kind übernehmen, miteinander verbindet – wie es ja auch in manchen matriarchalen Gesellschaften der Fall ist, wo die männliche Bezugsperson von Kindern der Bruder ihrer Mutter ist, während die Sexualpartner der Mütter wechseln und keine enge Beziehung zu ihren „leiblichen“ Kindern haben. Verlässliche Väter sind sie vielmehr für die Kinder ihrer Schwestern.

Aber solche Versuche, Sexualität und Elternschaft zu trennen, gibt es nicht nur in fernen Teilen der Welt. Diskursmäßig anknüpfen könnten wir auch an die 1950er und 1960er Jahre hier zu Lande. Eine ältere Feministin hat mir einmal erzählt, sie sei in gewisser Weise froh, dass sie damals jung war und nicht erst später. Denn dass sie Frauen liebt, hat sie als junge Frau noch nicht in die Kategorie „lesbisch“ einsortiert, also mit der Erwartung (oder auch dem Wunsch) verknüpft, ihr ganzes Leben mit einer Frau teilen zu sollen. Stattdessen hat sie „ganz normal“ einen Mann geheiratet und Kinder bekommen, und gleichzeitig Freundinnenschaften gepflegt. Als die Kinder groß waren, trennte sie sich von ihrem Mann und lebt seither mit Frauen zusammen. Sie sagte, sie bedauere manchmal die Frauen meiner Generation, denn wir hätten uns entscheiden müssen zwischen lesbischem Leben und Mutterschaft. Tatsächlich war das so: Keine meiner gleichaltrigen lesbischen Freundinnen hat Kinder – die meisten älteren aber schon.

Auch für schwule Männer war die Trennung von Liebe und Ehe damals eine gängige Option, die teilweise sogar die Form von politischen Forderungen angenommen hat. So schrieb etwa Donald Webster Cory in seinem 1951 erschienenen Buch „The Homosexual in America: A Subjective Approach“, dass die Normalisierung von Homosexualität eine große Bandbreite an Lebensformen hervorbringen könnte, unter anderem eben die, eine Ehe mit einer Frau, inklusive Kinder, und ein erfülltes Sexualleben mit einem Mann zu kombinieren: „Einige Homosexuelle werden heiraten – doch ohne Scham und ohne ihre Homosexualität vor Ehefrau und Kindern zu verbergen.“ (zit. nach Hieber/Villa, S. 91)

Damit bringt er eine damals unter „rebellischen“ Männern verbreitete Praxis zu Papier, wie man in Brenda Knights Buch über „Women of the Beat Generation“ nachlesen kann (S. 62 ff). Jack Kerouac, Neal Cassady und andere genossen es, zwischen ihrem „wilden“ Leben auf der Straße und dem „ehelichen“ Leben inklusive Kindern hin- und her zu pendeln. Ihr homosexuelles Begehren verstanden sie nicht als fixe Identität, sondern als eine von vielen Facetten ihrer Persönlichkeit. Sie wollten und nahmen sich beides – das „homosexuelle“ wie das „heterosexuelle“ Leben mit den jeweiligen Vorteilen. Was natürlich nur funktionierte, weil die ganze mit Kindern und Familienleben zusammenhängende Arbeit, in klassischer heterosexueller Tradition, von den Frauen erledigt wurde.

Es ist leicht, diese Lebensentwürfe von einer vernünftigen und emanzipierten Warte aus abzuqualifizieren. Dass sie aus einem falschen Verständnis von Freiheit (nämlich Freiheit als „Machen können, worauf ich gerade Lust habe“, also Verantwortungslosigkeit) hervorgehen, ist ja geschenkt. Ebenso dass diese „Beatniks“ das gesellschaftliche Machtgefälle zwischen Männern und Frauen schamlos zu ihrem eigenen Vorteil ausgenutzt haben.

Aber ich finde dennoch so einiges daran interessant, vor allem, wenn wir berücksichtigen, dass es tatsächlich ein Spannungsverhältnis gibt zwischen sexuellem Begehren, das oft spontan ist und wechselhaft, und der Notwendigkeit kontinuierlicher, verantwortungsvoller und verlässlicher Beziehungen zwischen den Generationen, also zwischen Erwachsenen und Kindern.

In der westlichen Geschichte wurde das Problem durch die Einhegung und Reglementierung von beidem gelöst: Stigmatisierung von jeglichem „Lotterleben“, Beschränkung von Sexualität auf die Ehe (und Prostitution als deren Ventil), gesetzliche Formalisierung von Elternschaft, Ausschluss der Frauen aus den auf Gleichheit gegründeten Institutionen der Männer, geschlechtsspezifische Arbeitsteilung mit der Folge von schädlich verkitschten Mutterbildern und so weiter. Man könnte auch sagen: durch die offizielle Festschreibung der Vorstellung, dass Liebe und Freiheit unvereinbar sind.

Wenn wir dieses Kuddelmuddel heute in Richtung eines Zusammendenkens von Liebe und Freiheit auflösen wollen, dann könnten historische homosexuelle Alternativen zur heteronormativen Ehe Anregungen geben für andere, freie und liebevollere Lebensformen. Für Lebensformen, in denen Verantwortung und Spontaneität in der Liebe nicht festgezurrt werden auf Dualismen, also Ehe versus Spontaneität, Frauenrollen versus Männerollen, Heterosexuell versus Homosexuell. Wir müssten uns nicht mehr für eines von beiden entscheiden, sondern könnten, je nach Fall und konkreter Situation, die Regeln miteinander aushandeln und überlegen, was den Wünschen der jeweils Beteiligten und den Notwendigkeiten der Welt am besten entspricht.

Das setzt jedoch voraus, dass wir uns von dem Modell des „großen heterosexuellen Paares“ als Keimzelle und Ursprung aller Gesellschaftlichkeit (und einzigem Ort legitimer Elternschaft) verabschieden müssen. Ein Modell, das nämlich weder Liebe noch Freiheit hervorbringt, und das auch nicht besser wird, wenn es aus zwei Frauen oder zwei Männern besteht.

Update: Im Interview mit der Taz (Sonntaz, daher nicht im Netz) am 18./19. Juni 2011 (S. 30) beweist der schwule Verleger Brune Gmünder, dass es das heute noch gibt: „Am liebsten hätte ich eine Frau, Kinder und einen Liebhaber gehabt. Aber die Gesellschaft hat das nicht zugelassen und die Community auch nicht“.

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22 Kommentare
  1. eduard@ permalink

    danke für den artikel! was du über elternschaft schreibst setzt bei mir viel Kreativität für meine eigene werdende elternschaft frei….
    und die brauchts. denn von überall wird mir, sobald es um kinder, familie, eltern geht, selbst von femistisch und queer fitten menschen ein dermaßen verkitschtes kleinfamilienbild vermittelt.

  2. Fidi Bogdahn permalink

    Schade, dass ich es nicht zu fassen kriege, was ich hier beim Lesen zutiefst als Zustimmung empfinde… -mir kribbelt es am ganzen Körper bis in die Seele.
    Vielleicht hat es irgendwie damit zu tun, dass ich es nicht nachvollziehen kann, wenn es immer noch heißt: eine/r will ein Kind haben… Das ist doch wie ein Kind als Besitztum nehmen und so zu behandeln – eben als „mein Kind“. Und ich denke, weder eine Frau noch ein Mann und schon gar nicht ein Kind kann mein Eigen sein! Die (Ver)Bindung zu diesen Personen geschieht in den Momenten des realen Seins nicht durch (Gewohnheits)Recht, sondern durch Liebe; aber Liebe, wie ich sie verstehe und erlebe, „lässt die Geliebten frei“ (-oh mei klingt das allein schon doof!).

  3. Ich habe schon mehrere deiner Blogeinträge gelesen, die in diese Richtung gehen, und ich denke vor allem darüber nach, wie Kindern eine stabile Umgebung mit verlässlichen Bezugspersonen gewährleistet werden kann, also Bezugspersonen, die über Jahre hinweg die selben bleiben. (Zwei Personen, oder auch eine Person, sind nämlich nicht genug, um ein Kind großzuziehen.) Und ich frage mich, ob die Flexibiliät, zu der Erwachsene heute aus vielen Gründen gezwungen sind, nicht ein viel größeres Problem ist als die jeweiligen Formen von Paarbeziehung.

    • @susanna14 – Definitiv, ein wichtiger Gedanke. Die Frage, wie Verlässlichkeit und Kontinuität in der Liebe (die es nicht nur in der Liebe zu Kindern braucht) mit der Parole totaler Flexibilität der Individuen, wie sie heute verlangt wird, wäre eine eigene Abhandlung wert. Der Spruch „Ich bin beruflich so eingespannt, ich habe keine Zeit für eine Beziehung“ ist ja inzwischen schon nicht mehr skurril, sondern wird ganz im Ernst häufig gesagt.

  4. Die (heterosexuelle-) Gesellschaft hat sich doch längst verabschiedet von diesem Papa-Mama-Kind-Kind Medienideal, benennt es nur noch nicht immer gleich positiv. (Wobei Patchworkfamilie ja auch kein negativ eingeführter Begriff war.)

    Meinen Kindern fiel es letztens erst wieder auf, das sie etwas anders sind, als anderleuts Kinder, weil sie mit beiden (biologischen) Elternteilen in einer Familie zusammen leben und es auch nicht so aussieht, als ob sich das in näherer Zukunft ändern würde. Im Gegensatz zu vielen anderen Kindern in ihrem Umfeld.

    Nun kenn ich keine Zahlen, aber meine Frau und ich sind auch im Bekanntenkreis als „immer noch mit dem ersten Ehepartner lebend und liebende“ eher Exoten. Es wird also längst gelebt.

    Meistens aber, das ist wohl noch zu drehen, aus einer Negativsituation entstehend. Also nicht als positiven Lebensplan, sondern weil Eltern erst einmal mit ihrem Plan scheitern (und die Scherben nicht selten Kratzer auch bei den Kindern hinterlassen) und dann in eben durchaus ja gut funktionierende neue Konstellationen mit den Kindern nicht selten eher schlingern um dann fest zu stellen: so gehts ja auch und: viel mehr Luft zum atmen (für sie ;-)).

  5. Dorothee Markert-Knüfer permalink

    Beim Lesen deines Textes erinnerte ich mich an die ungeheure Lebensfreude und das Gefühl von Fülle der Möglichkeiten und großer Freiheit, die in der Frauenbewegung zu spüren war, bevor dort zwischen Heteras und Lesben unterschieden wurde. Leider dauerte diese Phase nur etwa zwei bis drei Jahre, bis wir meinten, uns outen zu müssen. Von da an gab es dann Frauen und Lesben, auch wenn wir das nicht von Anfang an so nannten.
    Allerdings möchte ich schon auch auf das Leid der jeweiligen Ehepartner bzw. Partnerinnen von Schwulen und Lesben hinweisen, denn die Homosexualität wurde ja verborgen, manchmal auch vor sich selbst. Und die jeweiligen Partner verstanden nicht, warum sie nicht so begehrt wurden, und dachten natürlich, es liege an ihnen. Das war wirklich fies!

  6. Wenn ich mich recht erinnere, gab es zur Zeit der Schmidt-Mitternachtsshow eine Doku über Ernie Reinhardt, in der auch sein ’nicht den Normen entsprechendes‘ Familienleben zur Sprache kam. Damals fand ich das ueberraschend und auch sehr positiv, und finde es schade, dass ueber diesen Film heute offenbar nichts so leicht zu finden ist. Moeglicherweise ist das der damals dann explodierten Popularitaet geschuldet, vor der man eine Familie auch schuetzen sollte. Es war fuer mich jedenfalls ein Beispiel, dass in diesen Kontext gehoert.

  7. Grillroboter permalink

    Um direkt auf die Überschrift zu antworten: Das Hinterfragen der biologischen Fähigkeiten eines Paares Kinder erziehen zu können, ist lächerlich. (Haben Sie, Frau Schrupp, ja auch gar nicht getan).

    Wie viele heterosexuelle Paare gibt es die offensichtlich nicht besser zur Erziehung geeignet sind als diverse homosexuelle Paare. Sei es weil Sie bildungsfern sind und ihr Kind nicht fördern können, sei es dass Sie durch Suchtprobleme behindert sind oder mit anderen Problemen zu kämpfen haben. Man kann Individuen nicht eine Fähigkeit per se aberkennen. (Das heißt auch, dass auch drogensüchtige Eltern nicht per se schlechte Eltern sind). Es gibt einen gewissen Grad der Disqualifikation, in dem die Behörden eingreifen müssen, aber der muss unabhängig vom Geschlecht beider Eltern sein.

  8. Andreas permalink

    „[…] dass es tatsächlich ein Spannungsverhältnis gibt zwischen sexuellem Begehren, das oft spontan ist und wechselhaft, und der Notwendigkeit kontinuierlicher, verantwortungsvoller und verlässlicher Beziehungen zwischen den Generationen, also zwischen Erwachsenen und Kindern.“

    Kann ich als Mann nicht bestätigen – ich kann ziemlich viele Frauen lieben oder begehren, meiner Verantwortung und Verlässlichkeit für meine Kinder ( von jeder dieser Frauen, vorausgesetzt, ich habe diese Kinder selber gewollt ) tut das keinen Abbruch, zumindest nicht aus meiner Sicht.

    Allerdings denken Frauen, die auch Mütter sind, oft, weil Mann für sie selber keine Verantwortung übernimmt, wäre er ein schlechter Vater – mir scheint dieses Vorurteil obigem Satz zugrunde zu liegen, aber es ist eben ein Vorurteil.
    Umgekehrt denken Frauen, die noch nicht Mütter sind, oft, der Mann käme, ist er ein verantwortungsvoller Vater, als Partner nicht in Frage – sie werden eifersüchtig auf die Kinder.

    Insofern denke ich, dass das empfundene Spannungsverhältnis ein rein weibliches ist, welches sich aus falschen Ansprüchen an die in Frage kommenden Partner speist.

    Ich persönlich würde sogar sagen, wenn man sich seinen eigenen Kindern entfremdet, entfremdet man sich gleich seiner eigenen Persönlichkeit – weswegen ich auch nicht an solche Lösungen wie „soziale Vaterschaft“ etc. glaube.
    Die nutzt Übersprunghandlungen aus, die nur möglich sind, weil es biologische Vaterschaft gibt. Soziale Vaterschaft kann nicht aus sich selbst heraus bestehen – im Gegenteil würde ein Überganz zur sozialen Vaterschaft ein Überganz zu einer vaterlosen Gesellschaft sein, schlicht, weil die Quelle der Vaterschaft, die Sorge für die eigenen Kinder, austrocknen würde.

    Deswegen: Die einzige legtime Keimzelle für Elternschaft sind die eigenen Keimzellen – sonst gar nichts.

    • @Andreas – Das heißt, du trennst auch zwischen Liebesbeziehung zwischen den Erwachsenen (wechselnd) und (ihren) Kindern. Sozial entsteht aber dann das Problem, was passiert, wenn die Beziehung zwischen den Erwachsenen gestört sind, beide aber weiterhin eine Beziehung zu dem Kind haben. Ich denke, dass es für Kinder wichtig ist, dass die Erwachsenen, von denen es abhängig ist, nicht dauernd miteinander im Konflikt liegen. Die Spannung, von der ich sprach (mag sein, dass sie eher „weiblich“ ist in dem Sinne, wie du schreibst) ist die zwischen der Möglichkeit, dass Eltern sich aufgrund von sexuellen Ursachen nicht mehr verstehen und sich trennen möchten, aber wegen der Kontinuität der Beziehung zu ihren Kindern auch weiterhin miteinander eine Beziehung haben müssen. Ich (und vielleicht mehr Frauen und Männer) kann mir kaum vorstellen, dass Kinder von zwei verschiedenen Erwachsenen abhängig sind, die miteinander nichts zu tun haben wollen. Das heißt es gibt logisch nur die Möglichkeit, dass die beiden Eltern entweder einen Modus Vivendi finden, also eine verbindliche Beziehung zueinander haben, oder aber entschieden wird, wer von beiden alleine hauptverantwortlich für das Kind ist.

  9. Andreas permalink

    @AntjeSchrupp:

    Ich trenne zwischen der Liebesbeziehung der Erwachsenen und der zu ihren Kindern? In meinen Augen haben die miteinander schlicht nichts zu tun.

    Warum sollte es für die Kinder wichtig sein, dass die Erwachsenen nicht miteinander im Konflikt liegen?

    Ist es meiner Meinung nach nicht – Kinder wollen mit den Konflikten von Erwachsenen nur nichts zu tun haben, das muss man gewährleisten. Und nebenbei wünschen sich eigentlich alle die übliche Mutter-Vater-Kind-Gemeinschaft zurück, so sie denn mal eine funktionierende erlebt haben …

    Und wenn es wichtig wäre, dann würde ja das Problem nicht dadurch gelöst, dass Kindern sozusagen die eine ihrer Beziehungen formal für unwichtig erklärt wird ( meistens will die Mutter die des Vaters für unnötig erkären ), ganz im Gegenteil – das ist ja gerade die Potenzierung des Hineinziehens der Kinder in die Konflikte der Erwachsenen.

    Was wichtig ist, ist, dass mindestens einer der beteiligten Erwachsenen wirklich die Schotten dicht macht, falls nötig, und dafür sorgt, dass die Kinder ( und ihre Beziehungen ) in keiner Weise ein Mittel der Austragung von Konflikten sein können – und das kann durchaus ein Externer sein, der entsprechende Zwangsmittel einsetzt, um die Rechte der Kinder durchzusetzen ( wie beim Cochemer Modell ).

    Ausserdem – einen Punkt verstehe ich nicht so ganz! Wieso wird dieser ganze Problemkomplex eigentlich im Rahmen der Kleinfamilie diskutiert und so getan, als ob die Lösung wäre, auf Kleinfamilie zu verzichten?

    Das ist doch erkennbar Augenwischerei – das Problem, dass Kinder zu ihren Bezugspersonen eine stabile Beziehung aufbauen wollen und dies auch „dürfen“ müssen, hat man ganz unabhängig von der Frage, wie Erwachsene ihre Beziehungen organisieren. (Rest des Kommentars gelöscht)

    • @Andreas – Genau bei diesen Dingen kommen wir eben an den Punkt, wo das Recht (allein) nicht weiter hilft.

  10. Andreas permalink

    @Moderation:
    Was passt denn an der simplen Benennung von ein paar Zuständen nicht, dass die zensiert werden muss?

    @AntjeSchrupp:
    Ob man sich vom Recht weiterhelfen lassen will, oder lieber Entscheidungen in einem rechtsfreien Raum sucht – das ist eine in meinen Augen private Entscheidung.

    Sie wird meistens dann zuungunsten des Rechts getroffen, wenn der Entscheider glaubt, das Säen von Wind würde ausnahmsweise mal eine andere Ernte als Sturm einfahren.

  11. Goofin permalink

    Vielleicht mal dran gedacht, dass Fortpflanzung nichts mit Liebe zu tun. Ich kann mit meinem homosexuellen Partner und einem lesbischen Paar Kinder zeugen , auch ohne das ich dafür eien Frau lieben muss. Den Fortpflanzung hat was mit Familiengründung zu tun , aber nichts mit Liebe.
    Ich kann lange mit jmd. befreundet sein und eine Familie gründen , wenn jmd. einfach keine fste Partnerin will. Bleiben nur ein fremder Mann und eine fremde Frau übrig und kein anderer Mensch , so werden sich beide wahrscheinlich fortpflanzen , auch wenn man sich nicht kennt , mag oder liebt. Alleine schon deshalb , weil man die Menschheit wieder aufbauen möchte.

    Ein Land voller Homosexuelle würd auch nicht aussterben , denn man wrd nicht nur durch Sex schwanger. Eine große Familie birgt größere finanzielle Sicherheit. Zwei Homosexuellemänner +zwei Homosexuellefrauen die in einem Haushalt mit selbst gezeugten Kindern leben , haben finanzielle Vorteile. Verliert ein Erwachsener im Haushalt den Job , so gibt es noch 3 weitere die das Geld nachhause bringen usw.

    Die Homo-Ehe sollte diesselben rechte wie die Hetero-Ehe haben. Alleine schon deshalb , weil sich es in einer Homosexuellenfamilie , wie oben genannt zwei Homosexuellepaare gibt , die miteinander Kinder erziehen, großziehen und auf natürliche Weise Kinder zeugen können.

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