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„Fri“ heißt lieben

7. November 2011

Gerade schickte eine Freundin dieses Zitat, das praktisch das Motto dieses Blogs wiedergibt. Es stammt aus dem Buch „Duft der Zeit“ von Byung-Chul Han (transcript Verlag, Bielefeld 2009,  S 38):

Frei-Sein heisst nicht einfach Ungebunden- und Unverbindlich-Sein. Frei machen nicht Entbindungen und Entbettungen, sondern Einbindungen und Einbettungen. Die totale Beziehungslosigkeit wirkt beängstigend und beunruhigend. Die indogermanische Wurzel fri, worauf Wendungen wie frei, Friede und Freund zurückgehen, bedeutet „lieben“. So bedeutet „frei“ ursprünglich „zu den Freunden oder Liebenden gehörend“. Man fühlt sich frei gerade in der Beziehung von Liebe und Freundschaft. Nicht Bindungslosigkeit, sondern Bindung macht einen frei. Die Freiheit ist ein Beziehungswort par excellence. Ohne Halt gibt es auch keine Freiheit.“

Ich kenne mich mit Etymologie nicht so gut aus, aber natürlich würde ich diesen Strang gerne verfolgen. Über sachdienliche Hinweise in den Kommentaren freue ich mich.

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From → Zitate

7 Kommentare
  1. Gerade wurde auf Twitter kommentiert und wird hier gesaved:
    „kleines mittelhochdt. wörtrebuch: weniger der wortstamm vrî von freiheit, gibt aber: vrîe=Liebes-/Brautwerbung/Heirat sowie: vriedel(in)/vrîdel=Braut, Geliebte, Gattin. Steht aber im Wörterbuch nebeneinander ohne Hinweis auf etym. Verbundenheit.
    Na klar, fiel es mir da wie Schuppen aus den Haaren: „Freien“ ist ja ein früher ganz gebräuchliches Wort für das Anbändeln, bei dem die „Freiheit“ ja nur so ins Auge springt. Ist doch sehr interessant, dass beides „unverbunden“ im Wörterbuch steht….
    Es besteht also weiterer Klärungsbedarf!

  2. Man sollte da vielleicht die germanische Sozialstruktur mit berücksichtigen, wenn man da schon graben will. Damals gab es wohl einen „freien“ Bauern und seine Frau mit einem Haufen abhängigem Gesindel und Verwandschaft. Wahrscheinlich kommt es einfach daher, dass man durch Heirat eben einen freieren Stand in der Gesellschaft erreicht hat und nicht mehr unter direkter Herrschaft stand. In dem Kontext klingt das dann aber schon eher nach einem Bug als nach einem Feature finde ich, …

  3. Im Grimmschen Wörterbuch sind zwei Wortbedeutungen, deren Verknüpfung aber angenommen wird mit vielen, vielen Zitatstellen aus dem Alt- und Mittelhochdeutschen angegeben. Sehr spannend! Könnte mich auch zu einem Beitrag unter dem Label „Wortschatz“ reizen.

    http://www.dwb.uni-trier.de/

    („Freien“ eingeben – es wird auch eine Verbindung zu freuen angedeutet!)

  4. Noch ein Komment von google + hier hin kopieren:
    freien VB, ‚ehelichen, heiraten wollen, werben‘, mhd. (md.) mnd. mnl, vrîen, nl. vrijen ‚werben, zur Frau nehmen, heiraten‘ sind verwandt mit frei in seiner ursprünglichen Bedeutung ‚lieb‘. Die Verben sind entweder direkte Entsprechungen von got. frijôn, asächs. friohon, eangl. frêogan, anord. frijâ ‚lieben‘ oder Ableitungen von einem Substantiv, das in asächs. frî, aengl. frêo ‚Weib, Frau‘ bezeugt ist. Über Luthers Bibelübersetzung gelangt freien ins Hd.
    Pfeifer, Wolfgang: Etymologisches Wörterbuch des Deutschen, dtv, München 2005, S. 372f

  5. Ich lese gerade „Debt: the first 5000 years“ von David Graeber, und dort wird erwähnt, das das älteste bekannte wort für Freiheit, im alten Babylon wenn ich mich noch recht entsinne, wörtlich „Heimkehr zur Mutter“ bedeutete. Das hat den Hintergrund, dass Freiheit zuerst im Zusammenhang von Schuldsklaverei konzeptualisiert wurde, und Kinder oft an den Gläubiger versklavt wurden. Wenn dann die Schulden abgegolten wurden oder mal wieder sämtliche Privatschulden nichtig erklärt wurden (das passierte häufiger, wenn es wegen Dürre oder so besonders viele Schuldner gab, um Revolten zu verhindern), wurden die Sklaven befreit und konnten nach Hause zurückkehren.

    Graeber insistiert auch über mehrere Kapitel und Kulturen hinweg darauf, dass das, was unfreie Menschen ausmacht, ist, dass sie aus ihrem Sozialen kontext herausgerissen wurden. Man kann nur über jemanden so komplett verfügen, wenn es niemanden gibt, der für diesen Menschen einsteht.

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