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Einen Menschen wollen, wie er/sie ist?

29. Dezember 2013

Gerade las ich auf Twitter einen Satz, der mir das Wesen der Liebe ziemlich genau auf den Punkt zu bringen scheint:

Einen Menschen zu nehmen wie er ist, ist gar nichts, das muß man immer. Die wirkliche Liebe besteht darin, ihn auch zu wollen, wie er ist. (@wolf_1000)

Mich sprang der an, weil ich mich schon oft darüber gewundert habe, wie häufig Menschen in Liebesbeziehungen (und ich glaube, mehr Frauen als Männer) den_die andere verändern möchten. Auch viele Beziehungskonflikte drehen sich doch darum, dass der_die andere sich bitte ändern soll. Wenn er_sie nicht das und das ändert, dann werde ich ihn verlassen, wird dann zum Beispiel gesagt.

Ich selber hatte eigentlich nie den Wunsch, jemanden zu ändern. Also im Zusammenhang mit Liebe. Arbeitskollegen oder Mitbewohnerinnen gegenüber stelle ich schon mal solche Forderungen, zum Beispiel dass ich verlange, sie sollen zu Sitzungen pünktlich kommen oder mir nicht meinen Käse wegessen ohne neuen zu kaufen.

Und insofern ein Liebespartner eventuell auch Mitbewohner ist, kenne ich solche Konflikte also auch. Aber in Bezug auf die Liebe?

Die Liebe, so sehe ich es, ist eine Beziehungsqualität, die zunächst einmal von mir ausgeht. Ich liebe eine Person, so wie sie ist, und nicht eine Person, die so ist, wie es ich mir wünsche, dass sie wäre, also anders, als sie tatsächlich ist.

Wenn ich hingegen eine Person verändern möchte, dann liebe sie eben vermutlich nicht, was ja auch nicht weiter schlimm ist (dies, um den moralischen Schlenker aus dem Satz zu nehmen. Ich bin ja nicht verpflichtet, irgendjemanden zu lieben).

Mir ist auch schon passiert, dass im Laufe der Entwicklung die Liebe meinerseits weniger wurde, weil mir Eigenschaften und Charakterzüge an einer Person bekannt geworden sind oder für mich wichtiger wurden, die ich nicht mochte. Aber auch dann hätte ich deshalb nie von der Person gefordert, dass sie sich ändert, nur damit ich sie weiter lieben kann. Sondern die Frage, die sich für mich dann stellte, war: Liebe ich sie trotzdem?

Manchmal Ja, manchmal nein.

Oder wie seht Ihr das?

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8 Kommentare
  1. Irene permalink

    Irene – Einen Menschen wollen , wie er ist.
    Eine Beziehung ist ein langwieriger Prozess mit ungewissem Ausgang. Ich lerne einen Menschen kennen – mit all seinen Eigenschaften, den guten wie den weniger guten – denn es hat ja alles zwei Seiten, so auch der Mensch. Ich lebe mit ihm zusammen und im Laufe der Zeit wird sich herausstellen, ob ich ihn wirklich so akzeptiere und liebe wie er ist, sondern hier und da – vielleicht noch ganz unbewusst, es Dinge gibt, die ich nicht liebe und auch wieder unbewusst, sie abstellen möchte.
    Meine Meinung ist: Eine Beziehung geht nur insoweit gut, in der der eine führt und der andere mitgeht, ohne dass ihm das bewusst ist. Da kann manchmal der eine und dann wieder der andere sein.
    Und noch eine vielleicht viel wichtige Erkenntnis, die ich aus meinen Beziehungen gelernt habe ist die, dass es keine unbedingte sondern immer nur eine bedingte Liebe gibt.Die allermeisten Beziehungen sind verwurzelt durch menschliche Neigung und Hingerissenheit, durch Gewohnheit und Vertragstreue.
    Erst in Grenzsituationen kann man erfahren ob eine Liebe im Bedingten stecken bleibt oder über das Unbedingte hinausreicht.
    Ich habe es zu einer unbedingten Liebe, was ich darunter verstehe , leider nicht geschafft.
    Viele Grüße
    Irene

    • @Irene @feathrs McGraw – Vielleicht muss man zwischen Liebe und Beziehung unterscheiden? Bzw. wenn man liebt, ist damit noch nicht entschieden, was für eine Art von real gelebter Beziehung das wird. Also man kann jemanden auch lieben, aber sich zum Beispiel (aus entspr. Gründen) gegen Zusammenwohnen entscheiden.

  2. Feathers McGraw permalink

    Hmm so ganz verstehe ich die Frage nicht, mein Kopf arbeitet da mit etwas anderen Kategorien vielleicht? Das ändern ist ja nie in Bezug auf das lieben können gemeint, oder? Es gibt halt mehr als eine Ebene, und auf allen muss es stimmen oder zumindest tolerierbar sein. Und was es da an nervigem (eventuell Käse-essenden) Problem im Zusammenleben gibt muss entweder abgestellt werden oder es gibt zwei Möglichkeiten: Es ist ein Dealbreaker, oder nicht. Also bei Käse ist es ja noch eher unwahrscheinlich, aber Raucher? Wenn das ein Dealbreaker ist, oder einer wird, dann reicht liebe allein nicht, um es mit der anderen Person auszuhalten. Solche Dinge können auch gerne viel komplizierter werden, aber ich finde an der Liebe selbst ändern sie meist wenig.

  3. Der Satz ist sehr tiefsinnig. Jemanden wollen wie er/sie ist bedeutet, zu dem zu stehen, was man selbst braucht, nicht zu dem, was man wünscht. Die Differenz in der Betrachtung des anderen liegt also in einem selbst, denn der/die andere wird ja nicht dadurch auf einmal anders als sie ist.

  4. Ja.
    Liebe kann zum Beispiel bewirken, körperliche oder charakterliche Details interessant und anziehend zu finden, die man theoretisch, also unabhängig von der geliebten Person, nicht mochte (z.B. Körperbehaarung oder Fußballfantum).

    Gleichzeitig muss eine Beziehung nicht unbedingt von tiefer Liebe abhängig sein. Wenn jemand sich eine Beziehung/Partnerschaft sehr wünscht und dafür nicht auf die Liebe warten möchte, die möglicherweise nie vorbeikommt, können dafür durchaus persönliche Veränderungen verhandelt werden. Das Resultat kann durchaus bereichern. Meiner Beobachtung nach ist sie ein Geschenk, diese tiefe Liebe, und verhältnismäßig selten.

  5. Charlotte permalink

    Was mir dazu einfaellt:
    Man kann Liebe gar nicht von Bedingungen abhaengig machen, wie bestimmtem Verhalten oder Eigenschaften. Man kann sich naemlich gar nicht selber aussuchen, ob man jemanden liebt oder nicht. Die Liebe entzieht sich dieser Kontrolle. Veraenderungen kann ich nur fuer das Zusammenleben fordern, wie Du oben geschrieben hast. Insofern gehe ich mit dem, was Du geschrieben hast, konform. Mit dem Satz „Die wirkliche Liebe besteht darin, ihn auch zu wollen, wie er ist.“ kann ich nicht so viel anfangen. Ich kann, glaube ich, auch jemanden wollen wie sie ist, ohne diese Person zu lieben. Vermutlich kann man auch jemanden lieben, ihn aber trotzdem nicht wollen (zB wegen zerstoererischen Verhaltensweisen oder so?).

  6. danielhcaballero permalink

    Ihn/sie zu nehmen bzw. zu wollen wie er/sie ist, das ist ja auch das wichtigste. Jeder Mensch hat so seine Fehler und Macken. Auch wenn man diese vielleicht nicht auf den ersten Blick sieht, Fehler sind auch süß und machen eine Person aus.

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  1. Expectations. Relationships. It’s complicated | communeva - the blog.

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